Dokumentation

ISEK und Bürgerforum: Was Nottuln plant, was es kostet, was strittig ist

Die Gemeinde will ihren Ortskern über zehn Jahre umbauen. Im Zentrum steht ein neues Bürgerforum auf dem Kastanienplatz. Eine Einordnung mit Zahlen, Belegen und den offenen Fragen.

· Aktualisiert

Am 7. Juli 2026 hat der Rat das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept "Ortskern Nottuln 2036", kurz , beschlossen. Dahinter steht ein Bündel aus zwölf Maßnahmen, mit dem die Gemeinde ihren Ortskern bis etwa 2036 umbauen will. Das Herzstück und der größte Streitpunkt ist ein neues Bürgerforum auf dem Kastanienplatz. Das ISEK als Gesamtpaket nahm der Rat mit 25 zu 3 Stimmen bei 6 Enthaltungen an; über das Bürgerforum wurde in namentlicher Abstimmung getrennt entschieden (19 zu 12 bei 3 Enthaltungen, dazu unten). Belegt ist das über die Niederschrift der Ratssitzung.

Diese Dokumentation trägt zusammen, was belegt ist, was es kostet und was strittig ist. Sie wird fortgeschrieben.

Kurz gefasst:

  • Die Gemeinde will ihren Ortskern über rund zehn Jahre umbauen: zwölf Maßnahmen, die größte ist ein neues Bürgerforum auf dem Kastanienplatz.
  • Das Paket kostet rund 9,6 Millionen Euro, davon 5,2 Millionen das Bürgerforum. Bei 60 Prozent Förderung bleibt ein Eigenanteil von rund 3,8 Millionen über zehn Jahre, dazu die nicht geförderten Betriebskosten.
  • Strittig sind vor allem die Kosten bei angespannter Haushaltslage, der Standort und die Parkplätze. Mehrere Fraktionen haben Finanzierungsbedenken.
  • Der Rat hat das ISEK am 7. Juli 2026 beschlossen (25 Ja, 3 Nein, 6 Enthaltungen). Das Bürgerforum bleibt Teil des Konzepts, bekam aber einen Kostendeckel von 5,2 Millionen Euro; der Antrag der UBG, den Förderantrag zurückzustellen, wurde abgelehnt.

Was ISEK und Bürgerforum überhaupt sind

Ein ISEK ist die formale Voraussetzung, um Städtebaufördermittel des Landes zu bekommen. Es legt für rund zehn Jahre konkrete Maßnahmen fest. Ohne ein vom Rat beschlossenes ISEK gibt es keine Förderung. Neben dem ISEK muss der Rat dafür auch ein abgegrenztes Stadtumbaugebiet beschließen (§ 171b BauGB), den Bereich, in dem die Maßnahmen umgesetzt und gefördert werden. Beides stand am 7. Juli zusammen mit dem Förderantrag zur Entscheidung.

Das Nottulner ISEK bündelt zwölf Maßnahmen in vier Handlungsfeldern: Ortsbild und Baukultur, Freiraum und Klima, Mobilität, sowie innerstädtische Nutzungen. Die mit Abstand größte Einzelmaßnahme ist das Bürgerforum (Maßnahme D1): ein Neubau auf dem Kastanienplatz, rund 800 Quadratmeter, mit einem Saal für Veranstaltungen bis . Laut ISEK-Konzept soll das Obergeschoss zusätzlich mindestens zwölf Verwaltungs-Arbeitsplätze aufnehmen. Das Bürgerforum ist also nicht nur ein Vereinshaus, sondern auch Verwaltungsfläche.

Das ISEK-Konzept (das 37-seitige Dokument liegt als Anlage 1 der Beschlussvorlage bei) beschreibt das Bürgerforum als „Dritten Ort", einen Treffpunkt jenseits von Zuhause und Arbeit. Was dort außerhalb von Veranstaltungen täglich passiert, ist öffentlich nicht festgelegt: Auch die Phase-Null-Workshop-Präsentation zum Bürgerforum (06. Januar 2026, auf der Projektseite der Gemeinde) führt die dauerhafte Nutzung noch als offene Arbeitsfrage. Das Konzept nennt Außengastronomie an der angrenzenden Alten Amtmannei; ein Vorbild wie das einsA in Dülmen lebt im Alltag von Café, Bücherei und Kita. Ob das Bürgerforum eine solche Alltagsnutzung bekommt oder vor allem ein Veranstaltungssaal bleibt, ist eine der offenen Fragen. Im Erdgeschoss der angrenzenden Alten Amtmannei gibt es Gastronomie - heute das Restaurant Somii; zuvor führte dort Markus Dudek bis 2025 ein Café-Restaurant und am Kastanienplatz das „Dorfkind", beide gab er auf (WN, 28. Mai 2025).

Neben dem Bürgerforum umfasst das ISEK elf weitere Maßnahmen, darunter einen Gestaltungsbeirat, ein Hof- und Fassadenprogramm, die Aufwertung von Plätzen und Wegen (etwa Schlaun-Platz, Umfeld der Stiftskirche, Rathausvorplatz) und einen Verfügungsfonds. Zwei Maßnahmen bauen vorhandene Gebäude um: die Aschebergsche Kurie mit dem Ratssaal, die barrierefrei werden soll, und das ehemalige Kita-Gebäude Kastanienplatz 11.

Die wichtigsten Standorte liegen eng beieinander im Ortskern:

D – Nutzungen (u.a. Bürgerforum)B – Freiraum & PlätzeC – Mobilität & WegeUmgebung (kein ISEK)
Lage der ISEK-Maßnahmen im Ortskern (eigene Darstellung auf Basis des offiziellen Maßnahmenplans). A1/A2/B1/D4 sind nicht ortsgebunden und nicht eingezeichnet. Kartengrundlage: © OpenStreetMap, © CARTO.

Worum es bei den Kosten geht

ISEK „Ortskern Nottuln 2036" - Kostenüberblick

Grobkostenschätzung über rund 10 Jahre. Das Land NRW fördert 60 % (rund 5.751.000 €), die Gemeinde trägt die übrigen 40 % (rund 3.834.000 €).

9.585.000 €

  • Bürgerforum5.200.000 €

    Das Bürgerforum allein macht rund 54 % der Gesamtkosten aus.

  • Umnutzung Kastanienplatz 111.560.000 €
  • Barrierefreier Umbau Aschebergsche Kurie950.000 €
  • Weitere Maßnahmen (Freiraum, Klima, Wege)(Aufteilung nicht ausgewiesen)835.000 €
  • Verkehrsräume (Stifts-/Hagenstraße)715.000 €
  • Hof- und Fassadenprogramm175.000 €
  • Gestaltungsbeirat100.000 €
  • Verfügungsfonds50.000 €

Eigenanteil einordnen

Der Eigenanteil von 3.834.000 € verteilt sich über 10 Jahre, also rund 383.000 € pro Jahr. Das sind etwa 0,7 % des jährlichen Gemeindehaushalts (Aufwendungen 51,3 Mio €). Zugleich fährt die Gemeinde ein jährliches Defizit von rund 3,6 Mio €.

Betriebs- und Folgekosten: nicht beziffert

Die laufenden Kosten (vor allem des Bürgerforums) sind in keinem Dokument beziffert und sind nicht förderfähig (Förderrichtlinie Stadterneuerung NRW 2023, Nr. 5.4.4). Sie trägt die Gemeinde allein.

Quelle: grobe Kostenschätzung der Verwaltung aus der Beschlussvorlage 119/2024/3 (ISEK-Konzept, Anlage 1); bestätigt in WN 18.06.2026. Haushalt 2026 (Aufwendungen 51,26 Mio €, Defizit 3,6 Mio €): WN 24.02.2026. Einzelaufteilung B/C laut Vorlage nicht ausgewiesen. Stand: Ausschuss 16.06.2026.

Zeitleiste

  1. 17.09.2024

    Rat beschließt, das ISEK aufzustellen (18 Ja, 5 Nein, 5 Enthaltungen). Vorlage 119/2024 (SessionNet)

  2. 15.12.2024

    Kick-Off mit einem Ortskernspaziergang mit Bürgern.

  3. 05.02.2025

    Bürgerwerkstatt.

  4. 28.04. + 28.08.2025

    Planungswerkstätten mit der Politik (Rahmenplanung).

  5. 26.06.2025

    Gespräch mit Ortskern-Akteuren.

  6. 01.07.2025

    Bürgerveranstaltung, Vorstellung des Vorentwurfs der Rahmenplanung.

  7. 30.10.2025

    Abstimmung mit der Bezirksregierung Münster.

  8. 18.11.2025

    Rahmenplan im Bau- und Planungsausschuss.

  9. 16.12.2025

    Rat beschließt den vorgelagerten Rahmenplan einstimmig.

  10. 06.01.2026

    Phase-Null-Workshop zum Bürgerforum, rund 100 Teilnehmer, Vertreter von 36 Vereinen. Schon hier umstrittene Standort-Diskussion.

  11. 26.03. + 16.04. + 12.05.2026

    Planungswerkstätten mit der Politik (Entwurf ISEK).

  12. 23.04.2026

    Vor-Ort-Termin mit Ministerium und Bezirksregierung; das ISEK wird als schlüssig und notwendig bewertet.

  13. 19.05.2026

    Bürgerveranstaltung zum ISEK-Entwurf, rund 10 Interessierte.

  14. 16.06.2026

    Bau- und Planungsausschuss stimmt der ISEK-Vorlage zu (8 Ja, 2 Nein, 2 Enthaltungen). Sitzung (SessionNet)

  15. 07.07.2026

    Der Rat beschließt das ISEK, die Festlegung des Stadtumbaugebiets nach § 171b BauGB und den Auftrag, den Förderantrag bei der Bezirksregierung Münster zu stellen (25 Ja, 3 Nein, 6 Enthaltungen). Zuvor lehnte er den Änderungsantrag der UBG ab (3 Ja, 28 Nein, 3 Enthaltungen) und entschied in namentlicher Abstimmung getrennt über das Bürgerforum: Es bleibt Teil des Konzepts und bekommt einen Kostendeckel von 5,2 Millionen Euro (19 Ja, 12 Nein, 3 Enthaltungen). Niederschrift der Ratssitzung (SessionNet, PDF)

  16. 30.09.2026

    Stichtag für den Förderantrag (Programm 2027). FRL NRW, Nr. 13.1

Der vollständige Beteiligungskalender steht auf der Projektseite der Gemeinde. Die Ratssitzung am 7. Juli war öffentlich.

Den vorgelagerten Rahmenplan trug der Rat im Dezember 2025 einstimmig, nach über einem Jahr Beteiligung mit Werkstätten und Bürgerveranstaltungen. Beim konkreten, teuren ISEK ein halbes Jahr später gibt es quer durch die Fraktionen Finanzierungsbedenken. Kritiker werfen der Gemeinde vor, das Konzept werde im Hau-Ruck durchgezogen; die Verwaltung begründet die Eile mit der Förderfrist zum 30. September.

Die belegten Fakten

Der Ratsbeschluss vom 7. Juli. Der Rat hat das ISEK am 7. Juli 2026 beschlossen. Belegt ist das jetzt über die Niederschrift der Ratssitzung. Auf Antrag der Grünen wurde in drei Stufen abgestimmt. Zuerst lehnte der Rat den Änderungsantrag der UBG ab, den Förderantrag zurückzustellen (3 Ja, 28 Nein, 3 Enthaltungen; siehe "Die Streitpunkte"). Dann entschied er in namentlicher Abstimmung getrennt über das Bürgerforum: Es bleibt Teil des ISEK und bekommt einen Kostendeckel von 5,2 Millionen Euro (19 Ja, 12 Nein, 3 Enthaltungen). Bei dieser Abstimmung waren die Fraktionen uneins: Die CDU stimmte mit 5 Ja, 9 Nein und 1 Enthaltung, die UBG mit 1 Ja und 3 Nein, die SPD stimmte bei 2 Enthaltungen zu, Grüne und FDP votierten geschlossen dafür, ebenso Bürgermeister Thönnes. Zuletzt nahm der Rat das Gesamtpaket aus ISEK, Stadtumbaugebiet und Förderantrag an (25 Ja, 3 Nein, 6 Enthaltungen). In ihrer Protokollerklärung knüpfte die SPD ihre Zustimmung daran, dass die Umsetzung des Bürgerforums im Ausschuss für Planen und Bauen eng begleitet wird, und nannte Kritikpunkte: Die städtebauliche Entscheidung sei "an dieser Stelle nicht optimal", die Baukosten seien in dieser Phase noch nicht abgesichert, und am Kastanienplatz fielen Parkplätze weg, besonders für Veranstaltungen.

Kosten und Förderung. Die Zahlen im Kostenüberblick oben stammen aus der Beschlussvorlage 119/2024/3 (Grobkostenschätzung der Verwaltung), bestätigt im WN-Bericht vom 18. Juni 2026. Mit rund 5,2 Millionen Euro entfällt mehr als die Hälfte auf das Bürgerforum.

Was das Bürgerforum netto kostet oder spart, ist öffentlich nicht beziffert. Das Bürgerforum hängt eng mit der Bürofrage der Verwaltung zusammen. Der Rahmenplan-Vorentwurf (Bürgerveranstaltung vom 1. Juli 2025) beschreibt es als „multifunktional nutzbaren Begegnungs- und Veranstaltungsraum und Büroräume", und die Bestandsanalyse der Gemeinde führt als Schwäche auf, dass die öffentlichen Einrichtungen über den Ortskern verteilt statt gebündelt liegen, Platzbedarfe nicht gedeckt und keine zeitgemäßen Büro- und Besprechungsräume vorhanden sind. Die CDU sprach im Ausschuss entsprechend von der „Möglichkeit, die Verwaltung neu zu strukturieren" (WN vom 18. Juni 2026). Wie viel der Neubau am Ende netto kostet oder durch wegfallende Büromieten wieder einspart, geht aus den öffentlichen Unterlagen aber nicht hervor. Die Städtebauförderung trägt dabei nur die „dauerhaft unrentierlichen" Ausgaben, also die öffentlichen Nutzungen (Förderrichtlinie, Nr. 5.4.1). Gemischt genutzte Gebäude sind ausdrücklich vorgesehen und werden anteilig gefördert (Nr. 9.4): förderfähig ist der öffentliche Teil, der Verwaltungsanteil wird herausgerechnet und von der Gemeinde selbst getragen. Ein Rathaus lässt sich so nicht „durch die Hintertür" fördern, indem man es Bürgerforum nennt. Wie hoch der förderfähige Anteil des Bürgerforums genau ist, ist öffentlich aber nicht beziffert.

Die Betriebskosten sind nicht beziffert und nicht förderfähig. Das 37 Seiten umfassende ISEK-Konzept enthält keine Angabe zu den laufenden Kosten. Die Förderrichtlinie des Landes (FRL NRW 2023, Nr. 5.4.4) schließt Ausgaben für Unterhaltung und Betrieb ausdrücklich aus. Die laufenden Kosten vor allem des Bürgerforums trägt die Gemeinde also allein. Das ist genau der Punkt, an dem die Kritiker ansetzen, und förderrechtlich ist er bestätigt. Offen ist auch, wer das Forum später betreibt und das Trägermodell stemmt. Das Konzept beantwortet diese Frage nicht. Andere Kommunen haben für den Betrieb tragfähige Modelle gefunden, dazu unten mehr.

Parkplätze. Im betroffenen Bereich am Kastanienplatz gibt es heute 37 Parkplätze. Nach dem Bürgerforum sollen 15 bis 20 erhalten bleiben (WN vom 21. Mai, Planeraussage). Es fallen also rund 17 bis 22 weg. Bürgermeister Thönnes hat Ersatz zugesagt, allerdings ohne Ort, Zahl oder Zeitplan. Der Rückbau von Stellplätzen ist dabei gewollt: In der Bürgerbeteiligung sprachen sich Teilnehmer für eine Reduktion der Parkplatzflächen aus, und das Rahmenplan-Leitbild fasst den Ortskern als „Bürgerort", der „den Nottulnern gehören und nicht den Autos" solle.

Die Haushaltslage macht den Streit hart. Nottuln ist Ende 2025 mit rund 35 Millionen Euro (Kernhaushalt) verschuldet, mit einem Defizit von rund 3,6 Millionen Euro; die Ausgleichsrücklage ist fast aufgebraucht (mehr dazu in der Dokumentation zu Nottulns Schulden). Die Grundsteuer B liegt seit 2025 bei 923 Prozent. Gleichzeitig wird an anderen Stellen gespart, etwa bei den Personalkosten. Am 22. Juni beteiligte sich die Gemeinde am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit", der auf die Finanznot der Kommunen aufmerksam macht. Vor diesem Hintergrund ist der Eigenanteil von 3,834 Millionen plus die nicht geförderten Betriebskosten der Kern der Auseinandersetzung.

Die Positionen

Befürworter. Im Bau- und Planungsausschuss am 16. Juni trugen Grüne und SPD das ISEK mit, die CDU mehrheitlich; die folgenden Zitate stammen aus dieser Sitzung (WN vom 18. Juni 2026). Paul Bergmann (Grüne): „Nichts zu tun, ist keine Lösung. Daher ist es wichtig, ISEK zu beschließen, um Bewegung in die Sache zu bekommen." Für die CDU sagte Sebastian Schulz: „Auch wir sind froh, den Ortskern zu beleben … tolle Möglichkeit, die Verwaltung neu zu strukturieren", verband das aber mit Finanzierungsbedenken; für die SPD erklärten Wolfgang Danzinger und Holger Zbick: „Wir wollen diesen Schritt nach vorne gehen." Bürgermeister Thönnes hält das Bürgerforum auch trotz der wegfallenden Parkflächen für notwendig: „Deshalb kein Bürgerforum zu bauen, wäre zu kurz gegriffen." Die Vereine zeigen Interesse: Beim Phase-Null-Workshop im Januar waren Vertreter von 36 Vereinen dabei; das Konzept legt das Forum auf Veranstaltungen bis 199 Personen und bis zu drei Vereine gleichzeitig aus. Eine öffentliche Stellungnahme einzelner Vereine, dass es ohne das Bürgerforum nicht ginge, gibt es allerdings nicht; die UBG hält den Bedarf gerade deshalb für nicht ausreichend belegt.

Das Gesamtvotum lag bei 8 zu 2 bei 2 Enthaltungen. Die CDU war gespalten: ein Teil dafür, dazu eine Gegenstimme und eine Enthaltung, alle mit ausdrücklichen Finanzierungsbedenken. Die WN berichtete zunächst, die CDU habe geschlossen zugestimmt, was die CDU-Fraktion in einer eigenen Mitteilung als falsch zurückwies. Das Votum ist durch die WN und eine unabhängige Aufschlüsselung der UBG belegt; das offizielle Ausschussprotokoll war noch nicht veröffentlicht.

In der Ratsdebatte am 7. Juli. In der Plenardebatte vor dem Beschluss meldeten sich mehrere Ratsmitglieder namentlich zu Wort (WN 15.07.2026, S. 17). Arnd Rutenbeck (CDU) sah große Chancen in einem neuen Treffpunkt für die Bürgerschaft; ein Bürgerforum könne den Ortskern beleben, davon würden auch Einzelhandel und Dienstleister profitieren. Gero Schwan (CDU), der dem ISEK zustimmte, das Bürgerforum aber ablehnte, sprach sich dafür aus, das Geld lieber in bestehende Infrastruktur zu investieren; gerade Menschen mit Gehbehinderungen seien auf Parkplätze angewiesen, insbesondere wenn mehr Besucher in den Ortskern gelockt werden sollen. Martin Geuking (FDP) verwies auf die wirtschaftliche Seite: Zum ISEK gehöre auch, dass die Gemeindeverwaltung angemietete Gebäude aufgebe und in eigene Immobilien, unter anderem die alte Kita, umziehe. „Die ersparten Mietkosten und die Fördermittel stehen ja dahinter", sagte Geuking. Die FDP, die sich im Ausschuss am 16. Juni noch wegen der Kosten enthalten hatte, stimmte am 7. Juli geschlossen für das Bürgerforum. Für die Grünen sagte Richard Dammann: „Wir können das nur auf die Reise schicken und hoffen, dass die Bezirksregierung das positiv sieht." Jan Van de Vyle (UBG) begründete das Nein seiner Fraktion damit, sie habe „sehr häufig die Rückmeldung bekommen, dass die Bürger das Bürgerforum gar nicht haben wollen"; außerdem verschlinge das Projekt finanziell die Hälfte des gesamten Maßnahmenpakets. „Da können wir mehrheitlich nicht zustimmen."

Kritiker und Skeptiker. Mehrere Bürger haben Leserbriefe geschrieben, darunter Dr. Peter Bachhausen, Clemens Henkel, Brigitte Schuller und Dorle Fenske. Ihre wiederkehrenden Punkte: leere Kassen, auch Fördermittel seien Steuergeld, nicht geförderte Folgekosten, vorhandene Räume, der Standort und die Parkplätze. Nach dem Ratsbeschluss kam eine zweite Leserbrief-Welle: Angelika Uhde (17. Juli) mit Folgekosten, Lärm und offener Parkplatzfrage, Egbert Hillebrand (17. Juli) mit dem Vorwurf, das Bürgerforum sei ein als Förderprojekt getarnter Rathausneubau. Der Faktenkern dahinter - die mindestens zwölf Verwaltungs-Arbeitsplätze im Obergeschoss und der teilbare Saal - steht so im ISEK-Konzept (siehe oben); die Deutung als „verkapptes Rathaus" ist Hillebrands Wertung. Die FDP enthielt sich im Ausschuss wegen der Kosten. Die UBG trägt das ISEK mit, hat aber zur Ratssitzung einen Änderungsantrag vorgelegt: Der Förderantrag soll erst gestellt werden, wenn dem Rat zusätzliche Unterlagen zum Bürgerforum vorliegen (WN vom 6. Juli 2026, dazu unten mehr). Diese und die folgenden Leserbriefe stehen weiter unten im vollen Wortlaut.

Eine Gegenstimme zur Kritik. Am 24. Juni hält Holger Strickling in einem Leserbrief dagegen: "Was passiert, wenn wir nichts tun?" Auch Nichtstun sei eine Entscheidung mit Folgen, über die Alternative werde zu wenig geredet. Sein Leserbrief ist nicht ISEK-spezifisch, sondern eine allgemeine Replik auf die Kostenkritik an kommunalen Projekten. Einzuordnen ist dabei, dass Strickling seit Juni als von der CDU benannter stellvertretender sachkundiger Bürger im Bau- und Planungsausschuss sitzt, also dem Gremium, das der Vorlage zugestimmt hat; den Leserbrief schrieb er als Bürger.

Die Streitpunkte

Zum Raumbedarf. Ob es überhaupt zusätzliche Räume braucht, ist strittig. Kritiker wie Dr. Peter Bachhausen halten den Bestand für ausreichend und zählen Pfarrheim, Schulen, die Alte Amtmannei, ein Ladenlokal und Gastronomie auf (Leserbrief). Bei der Alten Amtmannei liegt der Veranstaltungssaal im Obergeschoss und ist nur über eine große Treppe erreichbar, also nicht barrierefrei; mehrfach konnten gehbehinderte Gäste nicht teilnehmen (WN, u.a. 1. Juli 2025; dazu ein Bürgerantrag zur Barrierefreiheit 2024). Auf der anderen Seite ist mit dem Burgsaal im früheren Gasthaus Denter ein Veranstaltungssaal weggefallen. Auch die Gemeinde selbst führt in ihrer Bestandsanalyse (Bürgerwerkstatt vom 5. Februar 2025, dokumentiert auf der Projektseite) als Schwäche auf, dass ein barrierefreier, multifunktional nutzbarer Veranstaltungsraum im Ortskern fehlt und die vorhandenen Säle in der Alten Amtmannei und der Aschebergschen Kurie nicht barrierefrei sind. Die Grünen nennen es in ihrer Haushaltsrede „unbestritten", dass seither Räume fehlen; auch die UBG sieht einen Bedarf, hält das Bürgerforum aber für „nice to have, aber kein must have".

Zum Standort. Das ISEK zielt ausdrücklich auf die Belebung des Ortskerns; eine zentrale Lage ist damit Teil des Förderziels. In der Debatte genannte Alternativen wie die Gemeindewiese liegen weniger zentral. Auf den Versiegelungs-Vorwurf antwortet das Konzept selbst: Es verspricht Begrünung und Entsiegelung des Außenraums, eine Low-Tech-Bauweise und den Erhalt der fußläufigen Durchwegung des Platzes.

Lärm und Nachbarschaft. Das Bürgerforum ist ein Veranstaltungssaal für bis zu 199 Personen auf dem Kastanienplatz. Gleich nebenan, an der Stiftsstraße 5, entsteht ein neuer Wohnblock (nach der 2022 vorgestellten Planung 17 Wohneinheiten, WN vom August 2022). Auf dem Platz liegt ein Kinderspielplatz, und in der angrenzenden Alten Amtmannei finden im Saal im Obergeschoss regelmäßig Veranstaltungen statt, etwa die Konzerte des Vereins „Blues in Nottuln" seit 2004. Wie der Konflikt zwischen Veranstaltungssaal und Wohnungen geregelt wird, hängt vom Genehmigungsweg ab. Der Kastanienplatz liegt im historisch gewachsenen Ortskern, einem unbeplanten Innenbereich; ein Neubau dürfte deshalb ohne eigenen Bebauungsplan direkt nach § 34 BauGB genehmigt werden. Dann gibt es keine im Bebauungsplan festgesetzten Schutzmaßnahmen: Der Bau muss sich „in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen" und die „Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse" wahren. Der Nachbarschaftskonflikt mit dem geplanten Wohnblock liefe dann über das Gebot der Rücksichtnahme in der Baugenehmigung, die die Lärmbelastung im Einzelfall bewertet; Maßstab sind dabei die Immissionsrichtwerte der TA Lärm. Ein Schallgutachten kann die Behörde dabei verlangen, festgesetzt wird es aber nicht über einen Bebauungsplan. Stellte die Gemeinde doch einen Bebauungsplan auf, käme der Lärmschutz über ein Schallgutachten hinein (Orientierungswerte nach DIN 18005, dann Dämmung, Lüftung, gegebenenfalls Betriebszeiten). Öffentlich dokumentiert ist der Genehmigungsweg bislang nicht, und ein Schallgutachten für das Bürgerforum liegt nicht vor. Clemens Henkel verweist in seinem Leserbrief darauf, dass der Ortskern ohnehin ein Bereich sei, „wo es eh immer schon Probleme wegen der Lärmbelästigung gab".

Lässt sich nur das Bürgerforum herauslösen? Genau das schlägt die UBG vor: das ISEK ja, das teure Bürgerforum aber aus der Vorlage nehmen. Ob sich eine einzelne Maßnahme so herauslösen lässt, ist juristisch nicht eindeutig. Die Förderrichtlinie sagt, dass kein Anspruch auf Förderung aller Teilmaßnahmen besteht (Nr. 15.1); ein Herauslösen ist also grundsätzlich möglich. Folgenlos ist es aber nicht: Es ändert Konzept, Kostenrahmen und Antrag und braucht das Einvernehmen der Bewilligungsbehörde. Die Verwaltung lehnt eine Herausnahme ab, weil der volle Umsetzungswille selbst ein Förderkriterium sei.

Zur Ratssitzung am 7. Juli hat die UBG dazu einen Änderungsantrag vorgelegt (WN vom 6. Juli 2026): Der Rat soll das ISEK zwar wie vorgesehen beschließen, die Verwaltung soll den Förderantrag aber erst stellen, wenn dem Rat vier Unterlagen vorliegen. Erstens eine schriftliche Stellungnahme der Bezirksregierung Münster, ob und unter welchen Bedingungen sich das Bürgerforum aus dem Gesamtpaket herauslösen ließe, ohne die Förderfähigkeit der übrigen Maßnahmen zu gefährden - eine Einschätzung aus der bisherigen Abstimmung reiche dafür nicht. Zweitens eine Kostenschätzung auf Grundlage einer Vorplanung, um das Raumprogramm bewerten zu können. Drittens eine Prognose der Betriebskosten samt Personal, Energie, Reinigung und Unterhalt, verglichen mit den bestehenden Veranstaltungsräumen der Gemeinde - also genau die Zahlen, die bisher fehlen (siehe oben, „Die belegten Fakten"). Viertens eine Analyse des Risikos von Kostensteigerungen. Die frühe Priorisierung des Bürgerforums in der Umsetzungsreihenfolge hält die Fraktion für „besonders riskant"; sie verweist auf das für 2026 erwartete Defizit von rund 2,9 Millionen Euro. Die Verwaltung soll zudem frühzeitig auf mögliche Konflikte mit dem Abgabetermin des Förderantrags hinweisen; die WN nennt dafür Anfang September 2026, die Förderrichtlinie den 30. September als Stichtag (siehe Zeitleiste). Diesen Änderungsantrag lehnte der Rat am 7. Juli ab (3 Ja, 28 Nein, 3 Enthaltungen, laut Niederschrift). Der Förderantrag wird also ohne die von der UBG geforderten Vorab-Unterlagen gestellt.

Wie es anderswo läuft

Senden ist der nächstgelegene Vergleich. Die Nachbargemeinde plant einen An- und Umbau ihres Rathauses für geschätzt rund 11,7 Millionen Euro netto; die Förderung soll über das dortige Städtebaukonzept (ISEK 2.0) laufen. Der Grund ähnelt Nottulns Mietersparnis-Idee: Im Rathaus fehlen seit Jahren Arbeitsplätze, und Bürgermeister Sebastian Täger argumentiert, ein Umbau sei auf Dauer günstiger als das Anmieten von Büros (WN, 4. Oktober 2025). Anders als in Nottuln ist das Projekt aber ins Stocken geraten: Den Architektenwettbewerb vertagte die Gemeinde wegen gestiegener Kosten und nötiger Investitionen in Schulen und Kitas. Auch dort sind CDU und FDP kostenskeptisch. Dass sich Verwaltung und öffentliche Nutzung unter einem Dach über die Städtebauförderung finanzieren lassen, zeigt auch Olpe: Die Stadt baut ein „Bürger-(rat-)haus“, das Stadtbibliothek, Museum und Verwaltung verbindet, gefördert mit 3,375 Millionen Euro; den Bescheid übergab die Bezirksregierung Arnsberg im Oktober 2024.

Das einsA in Dülmen ist ein zentral gelegenes Haus für Alle mit Bücherei, Volkshochschule, Familienzentrum, Kita, Beratung und einem Bistro. Es ist im Alltag belebt, weil täglich Publikum kommt, und es hat ein gelöstes Trägermodell aus Stadt und Kirche. Ein direkter Kostenvergleich mit dem 5,2-Millionen-Forum ist aber nicht zulässig: Die 8,5 Millionen Euro Förderung betrafen das gesamte Quartier inklusive Umbau der Plätze, und sie liefen über die REGIONALE, einen größeren Fördertopf als Nottulns reguläre Städtebauförderung.

Zwei weitere Fälle zeigen, was nach dem Bau kommt. Das York-Bürgerhaus in Münster-Gremmendorf, ein zum Bürgerhaus umgebautes früheres Offizierskasino mit 5 Millionen Euro Bundesförderung, wird nicht von der Stadt betrieben, sondern von einem ehrenamtlichen Trägerverein. So ein Modell kann Betriebskosten senken. Schnell geht es trotzdem nicht: Die Sanierung beginnt erst 2026, fertig sein soll das Haus Ende 2028. In Ahlen löste der geplante Abriss und Neubau von Rathaus und Stadthalle ein Bürgerbegehren aus (Initiative Rathausfreunde, rund 4.400 Unterschriften); beim Bürgerentscheid stimmte am Ende eine knappe Mehrheit von 53,7 Prozent für den Neubau.

Meinung

Bis hierhin ging es um Fakten und Belege. Was jetzt kommt, ist meine persönliche Einschätzung, also ein Werturteil und kein belegter Fakt. Man darf das gern anders sehen.

Ich sehe den Bedarf an einem neuen Veranstaltungsraum, und vor allem sehe ich den Bedarf, die Innenstadt zu beleben. Ob der Kastanienplatz der richtige Standort ist, hängt für mich an einer Frage: Wird das Gebäude auch außerhalb von Veranstaltungen genutzt? Mit einem Café oder Gastronomie, die täglich Leute anziehen, passt der Standort. Wenn das Forum nur abends für Vereinssitzungen aufmacht, wären auch andere Orte denkbar, was dann mit Blick auf die Förderung zu prüfen wäre.

Den Wegfall von Parkplätzen sehe ich nicht nur als Verlust. Das ist auch die Chance, den Platz freundlicher für Rad und Fußgänger zu machen.

Beim Lärm sehe ich kein Ausschlusskriterium. Einen Saal neben Wohnungen verträglich zu machen, ist Alltag der Bauleitplanung, dafür gibt es Schallgutachten und Auflagen. Und der Platz ist mit Spielplatz, Markt und der Amtmannei ohnehin kein stilles Wohngebiet. Was ich von der Gemeinde erwarte, ist saubere Koordination: Wenn direkt nebenan Wohnungen genehmigt werden, sollte der spätere Saal nicht durch deren Lärmschutz ausgebremst werden. Diese Reihenfolge muss man im Blick behalten.

Womit ich ein Problem habe, sind die fehlenden Zahlen. Welche Einsparungen erwartet die Gemeinde durch den Wegfall von Mieten? Welche laufenden Kosten kommen auf sie zu? Das sollte transparent sein, bevor entschieden wird. Es ist viel Geld. Aber es ist Geld, von dem die Gemeinde direkt profitiert, über die Vereine, die Bürger und die Innenstadt. Spannend fände ich auch eine offene Diskussion über mögliche Betreibermodelle, um die laufenden Kosten zu senken. Andere Kommunen haben das gelöst, davon lässt sich lernen.

- Leon Machens

Leserbriefe im Wortlaut

Die Debatte wird vor allem über Leserbriefe in den Westfälischen Nachrichten geführt. Damit man sich ein eigenes Bild machen kann, stehen sie hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion ungekürzt zum Nachlesen, in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

Diskussion sollte sehr viel breiter angelegt werdenDr. Peter Bachhausen, Lerchenhain · 13.01.2026

Zum Bericht „Die Liste der Wünsche ist lang" in der WN-Ausgabe vom 8. Januar:

Es ist zu begrüßen, dass Verwaltung und lokale Politik sich Gedanken um die längerfristige Entwicklung der Gemeinde machen. Ob aber das im Rahmen des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für den Ortskern von Nottuln angedachte neu zu errichtendes Bürgerforum (Bebauung des Kastanienplatzes) zielführend ist, sollte in einer sehr viel breiter angelegten Diskussion erörtert werden.

Die Verwaltung hatte am 6. Januar zu einem Workshop eingeladen, in dem die Wünsche von Interessierten eingesammelt wurden. Ausdrücklich sollte in dem Workshop nicht das Ob und das Wo diskutiert werden, das wird bereits als gegeben vorausgesetzt. Die Gemeindeverwaltung hat bereits bei der Bezirksregierung die grundsätzliche Förderfähigkeit eines solchen Forums abgefragt. Die Förderquote soll bei 60 Prozent liegen. Das heißt, 40 Prozent der Investitionssumme sowie die langfristigen Betriebskosten eines solchen Gebäudes wären aus Eigenmitteln der Gemeinde oder gegebenenfalls durch Mittel eines Pächters aufzubringen. Angesichts der prekären Haushaltslagen der öffentlichen Hand stellt sich jedoch die Frage, ob die Mittel nicht besser in die Erhaltung und Pflege bereits vorhandener baulichen Infrastruktur, z.B. Straßenerhaltung und barrierefreie Fußwege in den vorhandenen Wohnquartieren (Coubertin-Straße, Dülmener Straße, Grauten Ihl, um nur einige zu benennen) sowie öffentliche Gebäude, aufzuwenden sind. Es gibt ausreichend vorhandene und geeignete Räumlichkeiten (Pfarrheim der Kirchengemeinde, Schulen, Alte Amtmannei, Ladenlokal Nottuln, Gastronomiebetriebe etc.), die fußläufig vom Ortskern gelegen sind und den Zielen für ein attraktives Gemeindeleben verfügbar gemacht werden können.

Mit einem Bürgerforum, das im Wesentlichen in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden genutzt, wird eine Belebung des Ortskerns nicht wirklich erreicht. Die Erreichung dieses Zieles setzt eine gute Mischung innerhalb des Ortskerns aus lokalem Einzelhandel und Gastronomie, etwa einem Café voraus.

Quelle: WN 13.01.2026, S. 14

EnttäuschendDr. Peter Bachhausen, Nottuln · 19.06.2026

Zum Bericht „Weg frei für dickes Millionenprojekt" vom 18. Juni:

Zweifel und offene Fragen der Ausschussmitglieder führten nicht zu einer Ablehnung und Zurückweisung des Verwaltungsvorschlags zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept. Begründet wird dies mit der Eilbedürftigkeit im Zusammenhang mit der Beantragung von Städtebaufördermitteln. Es wird also trotz leerer Kassen weiterhin geplant, erhebliche Geldmittel auszugeben. Für dieses Projekt allein sind 9,6 Mio. Euro veranschlagt. Da hilft auch nicht der Verweis auf Fördermittel von bis zu 60 Prozent der förderfähigen Projektkosten. Auch diese Mittel müssen von Steuerzahlern aufgebracht werden.

Es ist bedauerlich und enttäuschend, dass trotz leerer Kassen im Bund, im Land und auch in der Gemeinde das Wort „Sparen" offensichtlich für Verwaltungen und Politik nicht mehr zum genutzten Sprachgebrauch gehört. Die Umsetzung des Konzeptes, auch wegen der dann nicht mehr geförderten Folgekosten, führt langfristig auf weitere Steuererhöhungen hinaus.

Deshalb sollte der Rat das Konzept nicht unterstützen, denn die verfügbaren Finanzmittel werden für weit wichtigere Dinge (Bildung, Erhalt und Reparatur der vorhandenen Infrastruktur etc.) dringend benötigt.

Quelle: WN 19.06.2026, S. 16

Kastanienplatz verdient BesseresClemens Henkel, Nottuln · 20.06.2026

Zum Bericht „Weg frei für dickes Millionenprojekt" vom 18. Juni:

Dem Leserbrief von Peter Bachhausen möchte ich mich ausdrücklich anschließen! Darüber hinaus verstehe ich die Welt nicht mehr: Überall auf unserem Globus macht man sich Gedanken zum Klimawandel und wie man diesen am besten unter Kontrolle bringt. Flächen werden entsiegelt, Miniwälder angelegt oder Verdunstungsanlagen installiert um das Leben für die Menschen in den heißen Monaten des Jahres erträglicher zu machen. Man denkt über Schneisen in der Bebauung nach, um den Wind in die Orte zu leiten, oder baut neue Wohngebiete nach dem Prinzip der Schwammstadt.

Und Nottuln denkt darüber nach, einen zwar im Moment nicht wirklich schönen, aber zentralen Platz im Ortskern mit einem Bürgerforum zuzupflastern. Ich glaube, der Kastanienplatz hat Besseres verdient und würde ja auch in der Zeit des Martinimarktes bestimmt fehlen. Und woher sollen denn eigentlich die Parkplätze kommen, die ja dann in der Nähe des Forums gebraucht werden? Den Platz sehe ich im Ortskern an keiner Stelle.

Sicher, ein Bürgerforum für Nottuln wäre schon eine erstrebenswerte Sache, aber es muss doch nicht unbedingt im Ortskern sein, wo es eh immer schon Probleme wegen der Lärmbelästigung gab.

Und wenn schon gebaut werden muss, gäbe es vielleicht eine Lösung auf dem kläglichen Rest unserer ehemaligen Gemeindewiese. Ich glaube, die noch bestehende freie Fläche würde nicht nur für das Forum reichen, sondern auch noch für ein paar Parkplätze und das Ganze wäre noch relativ zentral gelegen. Im Übrigen wären schon Parkplätze des Gymnasiums und der Kindergärten auf der Sankt-Amand-Montrond-Straße vorhanden. Und etwas weiter entfernt, aber zumutbar, sind noch die Parkplätze am Wellenfreibad.

Trotz alledem möchte ich noch mal auf Peter Bachhausen hinweisen: „Bildung, Erhalt und Reparatur der vorhandenen Infrastruktur" und viele andere Dinge, sind im Moment wichtiger! Also, mal drüber nachdenken.

Quelle: WN 20.06.2026, S. 18

Was sind die Folgen?Brigitte Schuller, Nottuln · 22.06.2026

Zum Schwerpunktthema „Mobilität im Blick" vom 19. Juni:

Da passt doch etwas nicht zusammen. Nottuln muss sparen - beim C 85, beim Taxibus. Aber es sollen für ein Stadtentwicklungskonzept fast 4 Millionen Euro aus Eigenmitteln ausgegeben werden, die Nottuln nicht hat (ohne Berücksichtigung eventueller Kostensteigerung und Folgekosten).

Was sind dann die Folgen? Steuererhöhungen? Sparen bei Kindern und Kultur?

Quelle: WN 22.06.2026, S. 16

Was soll das Ganze?Dorle Fenske, Nottuln · 23.06.2026

Zu den Leserbriefen zum ISEK „Nottuln 2036":

Ich kann den beiden Leserbriefen vom 19. und 20. Juni nur voll und ganz zustimmen. In Zeiten leerer Kassen überall so eine Investition zu planen, ist nicht zu verstehen. Auch mit 60 Prozent Förderung bleiben noch 40 Prozent für die Gemeinde übrig, wobei man bestimmt von einer Höheren Summe in zehn Jahren ausgehen kann. Was soll das Ganze?

Aber wenn das Geld zu knapp wird, kann man ja wieder die Steuern erhöhen, der Bürger hat's ja! Anstatt auf dem Teppich zu bleiben, kommt es mir nicht nur bei den Kommunalpolitikern so vor, als würde man in höheren Regionen schweben.

Und wo sollen Ersatzparkplätze hinkommen? Das würde mich auch interessieren. Abgesehen davon ist dieses Konzept bestimmt auch nicht für 0 Euro entstanden.

Quelle: WN 23.06.2026, S. 16

Was passiert, wenn wir nichts tun?Holger Strickling, Nottuln · 24.06.2026

Zu Berichten und Leserbriefen über Entscheidungen in der Gemeinde:

In den vergangenen Wochen habe ich viele Leserbriefe zu verschiedenen Projekten und Entscheidungen in unserer Gemeinde gelesen. Kritik gehört zu einer lebendigen Demokratie und politische Entscheidungen dürfen und sollen hinterfragt werden. Was mir dabei jedoch zunehmend fehlt, ist die Diskussion über die Alternative.

„Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber nicht alle haben den gleichen Horizont". Dass Menschen dieselben Themen unterschiedlich bewerten, ist normal. Unterschiedliche Sichtweisen sind kein Problem. Im Gegenteil: Sie gehören zu einer offenen Debatte dazu. Was mich beschäftigt, ist eine andere Frage: Was passiert, wenn wir nichts tun? Wie sieht die Zukunft unseres Ortskerns aus? Wie die Zukunft unserer Vereine? Wie die Zukunft unserer kommunalen Infrastruktur? Welche Folgen hat es, wenn wir jede Veränderung, jede Investition und jede Entwicklung grundsätzlich nur unter dem Blickwinkel möglicher Kosten betrachten?

Ich lebe seit vielen Jahrzehnten in Nottuln. Ich kenne einen Ortskern, der lebendiger war als heute. Ich sehe Veränderungen, die nicht nur unsere Gemeinde betreffen. Angebote verschwinden, Gewohnheiten ändern sich und viele Orte stehen vor ähnlichen Herausforderungen.

Nicht jede Entscheidung wird richtig sein. Nicht jedes Projekt wird erfolgreich sein. Kritische Nachfragen sind deshalb wichtig. Genauso wichtig ist aber die Bereitschaft, neben den Risiken auch die Chancen zu betrachten und über mögliche Alternativen zu sprechen. Denn manchmal entsteht beim Lesen der Eindruck, dass die Gemeinde nur verlieren kann: Tut sie nichts, wird Stillstand beklagt. Handelt sie, werden Verschwendung, Größenwahn oder falsche Prioritäten unterstellt. Dabei leben die Menschen, die sich im Rat, Ausschüssen, Vereinen und Initiativen engagieren, ebenfalls hier. Sie treffen Entscheidungen nicht für irgendeinen Ort, sondern für ihren eigenen.

Auch Nichtstun ist eine Entscheidung. Und auch diese Entscheidung hat Folgen.

Quelle: WN 24.06.2026, S. 18

Der Schuldenberg noch nicht hoch genug?Angelika Uhde, Nottuln · 17.07.2026

Zum Bericht „Bürgerforum bleibt im Plan" vom 15. Juli:

Ein Bürgerforum? Für ein paar Fördergelder? Auf dem Kastanienplatz? Echt jetzt? Folgekosten, Unterhalt, Auslastung, Mietpreise für Veranstaltungen? Ist der Nottulner Schuldenberg noch nicht hoch genug? Thema Lärmbelästigung: Musste nicht das alte Gasthaus Denter auch deswegen schließen? Ich wohne ca. 300 Meter vom Kastanienplatz entfernt und höre bei jeder Veranstaltung dort die Lärmkulisse. Was sollen erst die direkten Anwohner sagen, zumal dann ja auch die Anzahl der Veranstaltungen drastisch erhöht sein würde. Natürlich nur, wenn sich genug Interessierte für die Räumlichkeiten finden würden. Und natürlich das Thema Parkplätze! Wie kann es sein, dass die Planer diesen wichtigen Punkt „verschieben". Vielleicht ein teurer Shuttleservice? Aber wohin? Wird plötzlich noch eine Tiefgarage aus dem Ärmel geschüttelt? Geld spielt ja offensichtlich keine Rolle. Oder ist die nächste verrückte Idee, dass man ja dann die Alte Amtmannei und die Aschebergsche Kurie nicht mehr benötigt... Platz für Parkplätze. Die Zerstörung des schönen historischen Ortskerns schreitet voran. Erst die Genehmigung für den Klotz mit Tiefgarage, dann das Abholzen der Eiben für Beete die, kaum angelegt, schon schmuddelig wirken, jetzt der Kastanienplatz. Was noch?

Quelle: WN 17.07.2026, S. 16

Ein EtikettenschwindelEgbert Hillebrand, Nottuln · 17.07.2026

Zum selben Thema (Bericht „Bürgerforum bleibt im Plan"):

Was sich Gemeindeverwaltung, Verwaltungsvorstand und Gemeinderat schon lange gewünscht haben, soll nun Realität werden: Ein neues Rathaus auf dem Kastanienplatz! Ein neues Gebäude mit „mindestens" zwölf Verwaltungsarbeitsplätzen, sodass die Verwaltung neu „strukturiert" werden muss, sowie ein großer, mit verschiebbaren Zwischenwänden unterteilbarer Saal. In dieser klimatisierten Umgebung können künftig Gemeinderatssitzungen sowie Fraktionssitzungen stattfinden. Das ganze Vorhaben wird einfallsreich als „Bürgerforum" tituliert, die Vereine und Interessengruppen wurden gebeten, eifrig ihre Wünsche und Vorstellungen zur Konzeption des „Bürgerforums" zu Papier zu bringen. Doch nach dieser Alibi-Veranstaltung steht heute bereits fest: Von diesen Vorschlägen wird beinahe nichts realisiert, weil zu teuer und keine (Förder-)Gelder vorhanden sein werden. Im Rahmen des ISEK wird ein Rathausneubau offenbar nicht gefördert. Folglich wird aus dem vorgesehenen Rathaus per Umetikettierung schnell ein „Bürgerforum" gemacht. Schon clever gedacht, um höchstmögliche Fördermittel abrufen zu können. Es verwundert schon sehr, dass dieser Etikettenschwindel bei der Bezirksregierung Münster noch nicht aufgefallen ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Bleibt zu hoffen, dass die finanziellen Zwänge auf Landes- bzw. Bundesebene dazu führen, das Füllhorn der Fördermittel deutlich geringer auszustatten.

Quelle: WN 17.07.2026, S. 16

Viele Fragen sind noch offenReinhard Klotz, Nottuln · 18.07.2026

Zum Bericht „Bürgerforum bleibt im Plan" vom 15. Juli:

Vorweg: Der Verfasser dieses Leserbriefes begrüßt im Grundsatz ausdrücklich die Verabschiedung eines Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) für die Gemeinde Nottuln! Die Berichterstattung der WN über die Beratungen zu der im ISEK enthaltenen zentralen Maßnahme „Bürgerforum" (veranschlagte Gesamtkosten 5,2 Mio. Euro) in der Ratssitzung am 7. Juli wirft aber verschiedene Fragen auf: 1. Welche Vorstellungen bestehen im Hinblick auf die Finanzierung des der Gemeinde zufallenden 40 %-igen Eigenanteils von rund 2,0 Mio. Euro? 2. Auf welcher Grundlage wurden die für das „Bürgerforum" veranschlagten Gesamtkosten von 5,2 Mio. Euro errechnet? Die Anlage zur Vorlage enthält zu diesem Punkt allenfalls als fragmentarisch zu bezeichnende Aussagen zu Raum- und Nutzungsanforderungen, hingegen jedoch keine aussagekräftigen Angaben zu Flächengrößen und Raumvolumina [...]. Bzgl. der Veranstaltungstechnik wird lediglich ausgeführt, dass diese „angemessen" sein soll. 3. Wie kann die Politik einen Kostendeckel von 5,2 Mio. Euro für dieses Vorhaben beschließen, wenn ihr die Kalkulationsgrundlagen hierfür nicht vorliegen? 4. Es fehlt jedwede Aussage zu den Folgekosten des „Bürgerforums". Angesichts bereits politisch beschlossener und zum Teil in Umsetzung befindlicher Investitionsvorhaben (zum Beispiel Gymnasium) und eines aktuellen Schuldenstandes der Gemeinde von rd. 1.800 Euro pro Einwohner wohl nicht ganz unerheblich. 5. Wie verhält sich der Bedarf an einem „Bürgerforum" im Vergleich zu bereits jetzt absehbaren notwendigen Investitionen zum Erhalt oder zur Ertüchtigung bereits vorhandener gemeindlicher Angebote? 6. Bei all diesen Fragen: Warum hat der Rat nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, zwar das ISEK zu beschließen, dabei aber das Vorhaben „Bürgerforum" unter den Vorbehalt eines beizeiten noch zu fassenden politischen Beschlusses, und dabei ausdrücklich unter Finanzierungsvorbehalt zu stellen?

Quelle: WN 18.07.2026, S. 16

Chance vertanDr. Peter Bachhausen, Nottuln · 18.07.2026

Zum selben Thema (Bericht „Bürgerforum bleibt im Plan"):

Wieder hat der Rat mit seiner Zustimmung zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept die Chance vertan, einen weiteren Anstieg der Schulden der Gemeinde zu verhindern. Und dies, obwohl die Gemeinde Nottuln bereits heute zu den hoch verschuldeten Gemeinden in Nordrhein-Westfalen zählt. Wer glaubt denn wirklich daran, dass die mit dem Ratsbeschluss verbundene Obergrenze von 5,2 Mio. Euro für das völlig unnötige sogenannte Bürgerforum zu halten sein wird? Mehr als 90 Prozent aller öffentlichen Projekte kommen nicht mit dem veranschlagten Budget aus und auch die in den letzten Jahren umgesetzten Projekte in Nottuln wurden immer teurer als geplant. Im ISEK heißt es, die Maßnahmen würden zur Belebung des Ortskerns beitragen. Doch das Gegenteil wird voraussichtlich der Fall sein. Der Spielplatz am Kastanienplatz wurde mit der gleichen Begründung erstellt. Nun soll die Sichtachse zur Stiftsstraße mit einem hohen Gebäude geschlossen werden, der Spielplatz ist dann eingepfercht zwischen Gebäuden. Einer Belebung des Spielplatzes ist dies sicher nicht förderlich. Auch die angeführte Möglichkeit der Außengastronomie rund um die Alte Amtmannei ist nicht wirklich zielführend. Es mangelt im Ortskern nicht an Außengastronomie, sondern an einem schönen Café. Doch nicht allein das gastronomische Angebot macht einen Ortskern attraktiv, sondern vielmehr interessante Einzelhandelsgeschäfte, die Einheimische und auch Auswärtige in das Ortszentrum locken. Leider sind die vormals vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten in den letzten Jahren nach und nach verloren gegangen. Das ISEK hat keine befriedigende Antwort gefunden, wie ein attraktiver Einzelhandel zurückgewonnen werden kann. Chance vertan.

Quelle: WN 18.07.2026, S. 16

Möchte man Spitzenreiter werden?Dorle Fenske, Appelhülsen · 22.07.2026

Zum Bericht „Bürgerforum bleibt im Plan" vom 15. Juli:

Die Überschrift „Bürgerforum bleibt im Plan" veranlasst mich, nochmal zu schreiben. Ich weiß nicht, welche Köpfe in unserem Gemeinderat so etwas befürworten und entscheiden. Man hofft auf 60 Prozent Förderung vom Land, und wenn nicht? 40 Prozent bleiben in jedem Fall übrig für die Gemeinde mit der Pro-Kopf-Verschuldung im Kreis an dritter Stelle. Aber, und jetzt wiederhole ich mich: Man hat's ja.

Auf jeden Fall wird es spannend, wenn es dann zu gegebener Zeit heißt, dass die Kosten explodieren. Dann wird man sehen, wie viel sind 40 Prozent in Euro? Als Beispiel aktuell: das Feuerwehrhaus, das Lehrlingswohnheim usw. Keine der Objekte bleiben in dem vorgesehenen Rahmen.

Aber vielleicht möchte man ja Spitzenreiter bei der Pro-Kopf-Verschuldung werden. Mal was anderes.

Quelle: WN 22.07.2026, S. 16

Quellen

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