Skatepark Nottuln: Was geplant ist, was es kostet, was strittig ist
Aus dem Jugendprojekt 'Jugend entscheidet' wurde eine Skateanlage an der Kolpingstraße. Eine Einordnung mit Chronologie, Kosten, Parteipositionen, der Anwohner-Kritik und den Leserbriefen im Wortlaut.
Die Gemeinde Nottuln will am Waldspielplatz Kolpingstraße eine Skateanlage bauen. Das Projekt entstand 2024 aus dem Demokratie-Programm „Jugend entscheidet" der Hertie-Stiftung und wurde von einem Grünen-Antrag begleitet. Über die Jahre stieg es vom einstimmig begrüßten Jugendvorhaben zum Streitfall über Kosten, Standort und Lärm.
Diese Dokumentation trägt zusammen, was beschlossen ist, was es kostet und was strittig ist. Sie wird fortgeschrieben.
Kurz gefasst:
- Geplant ist eine „Street-Flow-Skateanlage" am Waldspielplatz Kolpingstraße, nutzbar für Skater, Scooter und BMX, mit Tagesbetrieb (keine Beleuchtung).
- Die Gesamtkosten liegen bei rund 482.000 Euro brutto (Haushaltsansatz 529.000 Euro inkl. Puffer). Die LEADER-Förderung von 250.000 Euro senkt den Eigenanteil der Gemeinde auf rund 279.000 Euro.
- Strittig sind der Standort am Wald, die Kosten bei angespannter Haushaltslage, Lärm und der Wegfall des Bolzplatzes. Anwohner erwägen den Rechtsweg.
- Der Rat hat am 28. April 2026 den Sperrvermerk aufgehoben (CDU und Grüne dafür, SPD Enthaltung, UBG dagegen). Damit ist die letzte politische Hürde genommen. Offen ist die formale Förderzusage der Bezirksregierung; danach folgt der Bauantrag, Fertigstellung spätestens in den Sommerferien 2027.
Was geplant ist
Die Anlage entsteht auf der Grünfläche hinter dem Kinderspielplatz an der Kolpingstraße in Nottuln-Süd. Geplant ist eine Betonanlage (Beton auch zur Lärmminderung) mit einem Anfängerbereich und einem Teil für Fortgeschrittene, nutzbar für Skater, Scooter und BMX. Sie soll barrierefrei sein (Rollstuhlzugang, Farbkontraste für Sehbehinderte). Eine Beleuchtung gibt es aus Naturschutzgründen nicht, also nur Tagesbetrieb; die Nutzungszeit liegt laut Lärmschutzgutachten bei 9 bis 22 Uhr. Der vorhandene Bolzplatz fällt weg und soll an anderer Stelle neu entstehen. Geplant hat das Büro DSGN CONCEPTS aus Münster (Ingo Naschold), das auch den Skatepark in Senden geplant hat. Die Bauphase ist mit vier bis fünf Monaten angesetzt, fertig sein soll die Anlage spätestens in den Sommerferien 2027.
Der geplante Standort am Waldspielplatz Kolpingstraße:
Das Projekt geht auf zwei Stränge zurück, die parallel liefen und sich verstärkten: einen Antrag der Grünen-Fraktion vom Mai 2024 (Vorlage 111/2024) und das Programm „Jugend entscheidet" der Hertie-Stiftung, an dem Nottuln 2024 teilnahm. Rund 65 Jugendliche beteiligten sich an Thementagen, fünf Projekte wurden am 1. April 2025 einstimmig vom Rat beschlossen; der Skatepark ist das größte Einzelprojekt. Acht Jugendliche überreichten im März 2025 eine Bürgeranregung nach § 24 GO NRW (WN 01.03.2025).
Eine Skateanlage ist in Nottuln ein wiederkehrender Wunsch: Schon 2005, 2007 und 2010 gab es Anläufe, die nicht zur Umsetzung führten (siehe Zeitleiste). Diesmal waren die Jugendlichen von der Bürgeranregung über Ideen- und Planungsworkshops bis in die Ausschüsse eng eingebunden; sie wünschten sich einen Ort für Sport außerhalb von Vereinsstrukturen (WN 14.03.2025). Die Hertie-Stiftung hob den Prozess als Beispiel gelungener Jugendbeteiligung hervor.
Zeitleiste
2005-2010
Erste Anläufe: Grünen-Antrag 2005, Vorlage „Errichtung eines Skaterparks" 2007 (zwei Jugendliche sammelten 1.326 Unterschriften), erneuter Anlauf 2010. Keiner führte zur Umsetzung.
09.2021
Standortsuche 2020/21: Im Gespräch sind Gemeindewiese und Steverschule. Entscheidung für die Steverschule; die Gemeindewiese soll „von weiterer Bebauung frei gehalten werden" (WN 11.09.2021). Auch dieser Anlauf mündet nicht in eine Umsetzung.
27.05.2024
Grünen-Antrag auf Einrichtung einer Skateranlage (Vorlage 111/2024).
21.08.2024
Ausschuss Umwelt und Mobilität stimmt zu (9:0:2). Verwaltung soll Fördermittel prüfen.
17.09.2024
Rat beschließt mehrheitlich (22:3:2), ohne Aussprache.
11.2024
Thementage „Jugend entscheidet", rund 65 Jugendliche. Der Skatepark ist Top-Wunsch.
01.03.2025
Jugendliche überreichen eine Bürgeranregung nach § 24 GO NRW.
12.03.2025
Ausschuss Umwelt und Mobilität: einstimmig (12:0:0). Standort laut Verwaltung „unter lärmtechnischen Gesichtspunkten möglich". Niederschrift AUM (SessionNet)
01.04.2025
Rat beschließt einstimmig. Bürgermeister Thönnes: „absoluter Meilenstein". Niederschrift Rat (SessionNet)
18.06.2025
Ausschuss Umwelt und Mobilität: Baubeschluss vorbehaltlich Förderung und Haushalt (9:2:1); ein Vertagungsantrag der SPD wird abgelehnt. Kosten nun rund 460.000 Euro (WN 21.06.2025). Niederschrift AUM (SessionNet)
08.07.2025
Rat: mehrheitlich. LEADER-Förderzusage in Aussicht. Niederschrift Rat (SessionNet)
10.02.2026
Haupt- und Finanzausschuss legt einen Sperrvermerk auf 529.000 Euro (8:4:1), bis die Kostenaufstellung im Detail geklärt ist.
24.02.2026
Rat verabschiedet den Haushalt 2026 (25:9) mit dem Sperrvermerk für den Skatepark.
12.03.2026
Ortstermin am Waldspielplatz mit rund 20 Anwohnern, Jugendlichen, Verwaltung und Politik. Laut Gemeinde „aufgeheizte Stimmung".
25.03.2026
Ausschuss Umwelt und Mobilität hebt den Sperrvermerk auf. Ergebnis laut Niederschrift: Ja 8, Nein 3, Enthaltung 1 (SessionNet, Niederschrift AUM 25.03.2026, TOP 4). CDU und Grüne dafür, SPD und UBG dagegen, FDP Enthaltung. Niederschrift AUM (SessionNet)
28.04.2026
Rat hebt den Sperrvermerk über 379.000 Euro mehrheitlich auf. Ergebnis laut Niederschrift: Ja 25, Nein 4, Enthaltung 5 (SessionNet, Niederschrift Rat 28.04.2026, TOP 8.2, Vorlage 034/2025/2). Die Niederschrift weist nur die Gesamtsummen aus, keine fraktionsscharfe Aufschlüsselung der Nein-Stimmen und Enthaltungen. Letzte politische Hürde genommen (WN-Bericht 05.05.2026). Niederschrift Rat (SessionNet)
offen
Förderzusage der Bezirksregierung. Danach stellt die Verwaltung den Bauantrag.
Sommer 2027
Fertigstellung spätestens in den Sommerferien 2027.
Die belegten Fakten
Kosten und Förderung. Die Gesamtkosten betragen laut Beschlussvorlage 034/2025/2 (März 2026) 481.946,48 Euro brutto. Der Haushaltsansatz liegt mit 529.000 Euro darüber: Er setzt sich aus 150.000 Euro aus dem Jahr 2025 (Restbudget „Jugend entscheidet") und 379.000 Euro aus 2026 zusammen. Die von maximal 250.000 Euro senkt den Eigenanteil der Gemeinde auf 279.000 Euro. Darin enthalten sind rund 47.000 Euro (10 Prozent) Puffer für Unvorhergesehenes, der laut Vorlage „möglichst nicht in Anspruch genommen" werden soll und sich „erst nach Aushub des Bodens genauer abschätzen" lässt.
Belegt
Zur oft verwechselten Zahl: Die 529.000 Euro sind der Gesamt-Haushaltsansatz, nicht die Baukosten. Die Baukosten liegen bei 481.946 Euro brutto, der Eigenanteil nach Förderung bei 279.000 Euro. Der Sperrvermerk vom Februar 2026 lag auf den 529.000 Euro; aufgehoben wurden im März die 379.000 Euro Haushaltsmittel 2026 (Wortlaut Vorlage 034/2025/2).
Die Kosten sind über die Zeit gestiegen. Angemeldet waren im Sommer 2024 zunächst 400.000 Euro, in der Haushaltsberatung 2025 einstimmig auf 200.000 Euro gekürzt. Mit der konkreten Planung des Büros DSGN CONCEPTS lagen sie im Juni 2025 bei rund 460.000 Euro und schließlich bei 481.946 Euro brutto. Diese Steigerung ist einer der Kernpunkte der Kritik.
Lärm. Das Ingenieurbüro Jedrusiak (Münster) hat ein Lärmschutzgutachten erstellt (23 Seiten). Ergebnis: Die Immissionsrichtwerte der 18. BImSchV (Sportanlagenlärmschutzverordnung) werden an allen Immissionspunkten eingehalten, wenn die Anlage täglich von 9 bis 22 Uhr genutzt wird; dabei wurde die intensivste Nutzung zugrunde gelegt (WN 05.05.2026). Anwohner bezweifeln das Gutachten; die SPD verwies darauf, dass der Lärm dem Gutachten zufolge „bis auf 0,2 dB" an die zulässige Grenze heranreiche (WN 27.03.2026).
Weitere Gutachten. Erstellt wurden außerdem eine Artenschutzprüfung (Stufe I) und ein landschaftspflegerischer Begleitplan.
Stand des Verfahrens. Mit der Aufhebung des Sperrvermerks am 28. April 2026 ist die letzte politische Hürde genommen. Der Förderantrag liegt bei der Bezirksregierung, eine Zusage ist öffentlich noch nicht bestätigt. Danach stellt die Verwaltung den Bauantrag. Seitdem gab es keine neue öffentliche Entwicklung.
Die Positionen
Befürworter. Die Grünen sind Antragsteller (Vorlage 111/2024) und tragen das Projekt durchgehend mit; im Haupt- und Finanzausschuss nannten sie es ein „großes Projekt für die Jugend, das auch etwas kosten dürfe". Die CDU stimmte konsequent zu. Ihre Fraktionsvorsitzende Dr. Andrea Quadt-Hallmann war Mentorin bei „Jugend entscheidet"; dem Sperrvermerk stimmte die CDU zu, um Klarheit über die Kostenaufstellung zu bekommen, stellte das Projekt aber „grundsätzlich nicht infrage". Im Mai 2026 sagte sie: „Als neulich der Treffpunkt-Container aufgestellt wurde, konnte man die Energie bei den Jugendlichen erleben. Diese Energie sollte man nicht ausbremsen." Bürgermeister Thönnes steht hinter dem Projekt („absoluter Meilenstein"). Die FDP unterstützte es inhaltlich, enthielt sich zuletzt aber wegen der Haushaltslage (Marc Hilkenbach: „arge Bauchschmerzen, diese Summe freizugeben").
Kritiker und Skeptiker. SPD und UBG tragen das Anliegen grundsätzlich mit, gingen mit steigenden Kosten und der Standortfrage aber auf Distanz. SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Danziger kritisierte, man sei bei den Kosten „in dem Glauben gelassen" worden, die Anlage sei mit dem vorhandenen Budget machbar; er hielt 279.000 Euro Eigenmittel für zu hoch („wenn im Geldsäckel eigentlich nichts mehr drin ist, darf die Frage erlaubt sein"). Im März 2026 stimmte die SPD gegen die Aufhebung des Sperrvermerks, im April 2026 enthielt sie sich. Eine Äußerung Danzigers, Skaten richte sich „vornehmlich an Jungs", löste Protest aus dem Publikum aus (WN 27.03.2026). Die UBG befürwortet das Projekt, hält aber den Standort an der Kolpingstraße wegen der Waldnähe und der Lärmfrage für falsch; ihr Vertreter Herbert van Stein sagte: „Ich bin darum nicht gegen Jugendliche und das Projekt. Aber der Standort an dieser Stelle ist nicht richtig." Im Wahlprogramm schlägt die UBG die Gemeindewiese vor; sie stimmte zuletzt dagegen.
Auf ihren Websites äußern sich dazu vor allem CDU und UBG; von SPD und Grünen gibt es keine eigene dedizierte Stellungnahme zum Skatepark, ihre Positionen sind über den Grünen-Antrag, WN-Berichte und das Abstimmungsverhalten belegt.
Im April 2025 fiel der Grundsatzbeschluss noch einstimmig; mit steigenden Kosten und der Standortkritik gingen SPD und UBG später auf Distanz. Der Ausschuss hob den Sperrvermerk am 25.03.2026 mit 8:3:1 auf (SessionNet, Niederschrift AUM 25.03.2026, TOP 4), der Rat am 28.04.2026 mit 25:4:5 (SessionNet, Niederschrift Rat 28.04.2026, TOP 8.2). Die Ratsniederschrift nennt nur die Gesamtsummen; welche der 4 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen zu welcher Fraktion gehören, geht daraus nicht hervor. Die Haltung der Fraktionen und ihr Votum bei den beiden jüngsten Abstimmungen (die vollständige Abstimmungsfolge mit Ergebnissen steht in der Zeitleiste):
| Fraktion | Grundhaltung | AUM 25.03.2026 | Rat 28.04.2026 |
|---|---|---|---|
| CDU | durchgehend dafür | Ja | Ja |
| Grüne | dafür (Antragsteller) | Ja | Ja |
| SPD | anfangs dafür, dann wegen Kosten und Standort distanziert | Nein | Enthaltung |
| UBG | Projekt ja, Standort Kolpingstraße nein | Nein | Nein |
| FDP | dafür, zuletzt wegen der Haushaltslage zurückhaltend | Enthaltung | fraktionsscharf nicht aufgelöst |
Die Streitpunkte
Standort am Wald. Die Anwohner führen an, dass Blätter, Moos und Feuchtigkeit die Bahnen verschmutzen würden, der Bereich eine tiefe und teils nasse Stelle sei und rund 600 Quadratmeter Wald- und Wiesenboden versiegelt würden. Die Verwaltung verweist auf eine jahrelange Standortsuche und bezeichnet die Kolpingstraße als den unter Lärmgesichtspunkten einzig möglichen Standort.
Lärm und bestehende Probleme. Anwohner berichten von schon jetzt nächtlichen Ruhestörungen am Spielplatz und bezweifeln, dass die Jugendlichen die Anlage sauber halten. Die Verwaltung (Daniel Krüger, Gemeindewerke) sagte häufigere Ordnungsamt- und Verkehrskontrollen sowie die Prüfung eines Schließdienstes am Eingangstor zu. Das Lärmgutachten sieht die Richtwerte als eingehalten (siehe oben).
Wegfall des Bolzplatzes. Der vorhandene Bolzplatz weicht der Anlage. Die übrigen Spielgeräte am Spielplatz bleiben laut WN alle bestehen, nur der Bolzplatz entfällt (WN 25.03.2026, S. 15). Die Gemeinde nennt den Wegfall bewusst, verweist auf andere Fußballmöglichkeiten und sucht perspektivisch einen neuen Standort.
Alternativstandort Gemeindewiese. Thorsten Schmidt (Anwohner und Mitglied der UBG) und die UBG schlagen die Gemeindewiese an der Dülmener Straße vor, auch weil dort durch den Kita-Bau bereits Boden- und Umweltgutachten vorliegen. Einzuordnen ist: Die Gemeindewiese war 2021 als Skatepark-Standort geprüft und zugunsten der Steverschule verworfen worden; der Rat hat damals beschlossen, die Fläche „von weiterer Bebauung frei" zu halten. Inzwischen steht dort die 2025 eröffnete Kita Hummelbach; eine weitere Kita-Erweiterung wurde 2024 gestrichen, um die Restfläche frei zu halten. Ein Skatepark dort stünde damit im Widerspruch zum Freihaltungs-Beschluss.
Rechtsweg. Mehrere Anwohner haben angekündigt, eine Klage zu erwägen. Fachbereichsleiter Christoph Bolle schloss den Ortstermin im März 2026 mit den Worten: „Der Bauantrag für den Skatepark wird gestellt. Es steht Ihnen frei, den Rechtsweg zu beschreiten."
Die Anwohner-Kritik wurde in der WN über mehrere Personen rund um den Waldspielplatz transportiert: Thorsten Schmidt (UBG), Rüdiger Rahlenbeck und Ralf Dierkes (von der WN zitiert) sowie Rainer Sandkötter (auf dem Foto, nicht zitiert). Der WN-Bericht zum Ortstermin vom 18. März beruht auf einer Pressemitteilung der Gemeinde; die Formulierung „aufgeheizte Stimmung" stammt aus dieser Mitteilung, nicht von den Anwohnern selbst.
Wie es anderswo läuft
Den nächstgelegenen Vergleich bietet Senden, geplant vom selben Büro (DSGN CONCEPTS). Dort kostet die Anlage rund 620.000 Euro (ursprünglich 750.000 geplant), bei ebenfalls 250.000 Euro LEADER-Förderung (Region Kleeblatt) und rund 370.000 Euro Eigenanteil. Senden sicherte die Förderung früh, plante einen Erdwall als Lärmschutz von Anfang an ein und hatte keinen dokumentierten politischen Widerstand. Der Bau begann im Juli 2025, die Anlage ging im November 2025 in Betrieb; die Kosten lagen am Ende rund 130.000 Euro unter dem ursprünglichen Ansatz. Rund um die offizielle Einweihung im Juli 2026 teilte Gemeindesprecherin Katrin Fröhlich mit, dass es seit der Inbetriebnahme keine Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben habe - auch nicht in den Sommermonaten mit häufigerer Nutzung in den Abendstunden. Auch von gravierenden Unfällen sei der Gemeinde nichts bekannt; das Miteinander der unterschiedlichen Nutzergruppen habe sich nach einer Anfangsphase eingespielt (WN 20.07.2026, S. 17). In Nottuln zog sich das Verfahren dagegen über den Sperrvermerk und den Standortstreit.
| Merkmal | Senden | Nottuln |
|---|---|---|
| Gesamtkosten | rund 620.000 € (Endkosten; geplant 750.000) | rund 482.000 € (geplant; Haushaltsansatz 529.000) |
| LEADER-Förderung | 250.000 € (Region Kleeblatt) | 250.000 € (Region Baumberge) |
| Eigenanteil | rund 370.000 € | rund 279.000 € |
| Planungsbüro | DSGN CONCEPTS | DSGN CONCEPTS |
| Standortdebatte | Bürgerkritik am Standort, aber gelöst | Anwohnerproteste seit Juni 2025, Rechtsweg erwogen |
| Bau | Juli bis Oktober 2025 (rund 3 Monate) | offen, 4 bis 5 Monate geplant |
| Eröffnung | November 2025 | frühestens 2027 |
Öffentliche Stimmung
Neben der Berichterstattung über die Anwohner-Proteste lief die Debatte auch auf Facebook. In zwei vielbeachteten Beiträgen (Christina Müller am 9. März, Georg Schulze Bisping am 18. März, beide in der Gruppe „Du bist Nottulner, wenn...") überwog die Unterstützung für den Skatepark; Müllers Beitrag kam auf 121 Reaktionen und 39 Kommentare. Müller, selbst Anwohnerin der Kolpingstraße, beschrieb das Gegenargument-Muster als „NIMBY" (Not In My Backyard) und kritisierte, Nottuln orientiere sich zu stark an älteren Generationen. Andrea Quadt-Hallmann (CDU) dankte ihr in einem Kommentar. Kritisch äußerte sich dort vor allem Anwohner Rüdiger Rahlenbeck („600 Quadratmeter im Wald für über 550.000 Euro zubetoniert"). Auch bei den Leserbriefen in der WN überwiegen die Befürworter: vier pro (Niemann zweimal, Neiteler, Wewering) zu einem contra (Schmidt). Beide Stimmungsbilder geben allerdings kein repräsentatives Bild der Gesamtbevölkerung wieder; sie zeigen, wer sich öffentlich äußert.
Meinung
Bis hierhin ging es um Fakten und Belege. Was jetzt kommt, ist meine persönliche Einschätzung, also ein Werturteil und kein belegter Fakt. Man darf das gern anders sehen.
Einen Skatepark für Nottuln finde ich sehr gut. Über den Standort lässt sich streiten, und eine Alternative wie die Gemeindewiese wäre für mich auch in Ordnung gewesen. Entscheidend ist das für mich aber nicht. Der geplante Platz an der Kolpingstraße liegt gut erreichbar, dort war schon der Bolzplatz, und der Waldspielplatz nebenan bleibt ja erhalten.
Wichtiger als die Standortfrage ist mir, dass nach so vielen Jahren endlich etwas passiert. Eine Skateanlage ist in Nottuln seit rund zwei Jahrzehnten im Gespräch und immer wieder im Sande verlaufen. Dass es jetzt vorangeht und nicht weiter verzögert wird, zählt für mich mehr als die Frage, an welchem der diskutierten Standorte sie am Ende steht.
Am meisten überzeugt mich, wie die Jugendlichen das Projekt selbst vorangetrieben haben. Sie haben es über „Jugend entscheidet" eingebracht, ausgearbeitet und bis in die Ausschüsse begleitet. Genau so sollte Beteiligung laufen.
- Leon Machens
Leserbriefe im Wortlaut
Ein großer Teil der Debatte um die Skateanlage wurde über Leserbriefe in den Westfälischen Nachrichten geführt. Damit man sich ein eigenes Bild machen kann, stehen sie hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion ungekürzt zum Nachlesen, in der Reihenfolge ihres Erscheinens.
„Erschüttert über mangelnde Toleranz“
Und schon wieder geht es in Nottuln um Lärmbelästigung, weil für Kinder und Jugendliche eine Skateanlage am Rande des Dorfes errichtet werden soll. Mit Erschrecken habe ich den WN-Bericht gelesen und bin erschüttert darüber, wie wenig Toleranz für unsere nachfolgende Generation in Nottuln herrscht.
Unfassbar, dass immer nur über Lärmbelästigung und zu hohe Kosten gesprochen wird, wenn es um die Jugend in Nottuln geht. Schon die Information über die Schließung des Burgsaals hat mich betroffen gemacht. Die Gründe sind dieselben!
Zum Glück wird das Projekt mit 9:2 Stimmen fortgesetzt, auch wenn der zukünftige Ärger vorprogrammiert ist.
Haben denn viele Erwachsene Ü50 aus Nottuln vergessen, dass sie auch mal jung waren und Freude an Bewegung und Treffen mit Gleichaltrigen hatten? Ist denn jeder Spaß und jede körperliche Bewegung gleich (Lärm-)Belästigung?
Ich staune immer wieder über die schönen Anlagen in den Orten um Nottuln herum, auf denen sich Kinder und Teenies anscheinend bewegen und treffen dürfen, ohne dass gleich die Polizei oder das Ordnungsamt gerufen wird.
Aber wie gut, dass die zahlreichen Kulturveranstaltungen für Erwachsene (zum Beispiel Bilderausstellungen) so vielen jungen Menschen aus Nottuln Spaß machen, sie von den Bildschirmen weglocken und für viel Bewegung sorgen ... und das Wichtigste: Sie machen keinen Lärm!
Quelle: WN 24.06.2025, S. 14
„Aus Jugend entscheidet wird Jugend putzt“
Ich habe dem Bürgermeister und den Fraktionsvorsitzenden im Rat meine Sorgen zum geplanten Skatepark erklärt. In dem Brief ging ich auf die mögliche Bodenverschmutzung durch das alte, in den 1990er-Jahren zurückgebaute Klärwerk ein, die Ansiedlung von Rotmilanen, Eulen, Kautzen, Fledermäusen, Spechten usw.
Ich habe auch eine andere Fläche vorgeschlagen - die Gemeindewiese, wo Bodengutachten und Umweltgutachten durch den Bau des Kindergartens vorhanden sind - und sogar eine erste Idee für Lärmschutz (...). Leider bekam ich außer durch die UBG kaum eine Reaktion.
Nun fand der Workshop zum Skatepark statt. Das Ergebnis macht mir große Sorgen.
Der Skatepark soll insgesamt 500.000 Euro kosten. Davon muss unsere Gemeinde 200.000 Euro bezahlen. Schon jetzt wurden 11000 Euro für die Planung ausgegeben. Dazu kommen noch Kosten für Lärm-, Umwelt- und Bodengutachten. Das werden noch viele weitere Tausend Euro sein. Die Gemeinde muss also noch mehr Geld nachfinanzieren - und das, obwohl die Haushaltslage angespannt ist.
Was mich aber noch mehr erschreckt: Die Gemeinde kann den Skatepark offenbar nicht richtig betreiben und pflegen. Deshalb bittet der Bürgermeister die Jugendlichen, die Anlage selbst sauber zu halten. Der Bauhof soll nur ab und zu kontrollieren.
Aus "Jugend entscheidet" wird so "Jugend putzt". Dazu kommt: "Nutzung auf eigene Gefahr" schützt die Gemeinde nicht automatisch vor Haftung. Wenn die Anlage nicht gut gepflegt wird und es passiert ein Unfall, kann die Gemeinde haftbar sein - besonders bei schlechter oder fehlender Instandhaltung (Sorgfaltspflicht). Das kann im schlimmsten Fall sogar als grobe Fahrlässigkeit gelten.
Trotz all dieser Risiken treiben die Gemeindeverwaltung und große Teile des Rates das Projekt weiter voran. Es wirkt, als seien die Kosten egal.
Quelle: WN 06.12.2025, S. 19
„Jugend an Rand der Gesellschaft gedrängt“
Wie lange wird die Jugend in Nottuln noch an den Rand der Gesellschaft gedrängt? Schon wieder bin ich fassungslos darüber, dass das Geld für den Skatepark in Nottuln von der Politik gesperrt wurde. Wo ein Wille, wäre auch ein Weg!!!
Seit Monaten gibt es einen verbalen Schlagabtausch über die Errichtung von Windrädern in Nottuln. Die ersten Leserbriefe darüber habe ich noch mit Interesse verfolgt. Verständnis habe ich für beide Seiten. Mittlerweile blättere ich nur noch weiter. Für die Art und Weise, wie die "ältere" Generation sich verbal austauscht, schäme ich mich teilweise.
Vielleicht sollte sich die Ü40-Generation von der Jugend im Hinblick auf respektvollen und sachlichen Meinungsaustausch eine Scheibe abschneiden.
Es sollte der Nottulner Bevölkerung doch endlich mal zu denken geben, dass es im Ort keine Feiermöglichkeiten für "jüngere" (aber auch für "ältere") Menschen gibt. Zum Glück bieten Billerbeck und Havixbeck gute Alternativen, auch, weil dort nicht sofort die Polizei alarmiert wird, wenn es mal lauter wird. Dort können sich die AnwohnerInnen anscheinend für die Feiernden mitfreuen!
Wirklich ein Armutszeugnis für Nottuln, dass es so viele GegnerInnen von Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum gibt. Haben denn wirklich so viele Menschen vergessen, dass sie auch mal jung waren?
Quelle: WN 24.02.2026, S. 14
„Es braucht mehr Mut und Vertrauen“
Ich finde es bedauerlich, dass ein so wertvolles Projekt wie „Jugend entscheidet" auf so viel Widerstand bei den Anwohnern stößt. Oft wird beklagt, dass sich Jugendliche nicht für Politik interessieren und Soziale Medien konsumieren. Wenn sie jedoch Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen wollen, werden ihnen Steine in den Weg gelegt.
Die Bedenken der Anwohner sind nachvollziehbar, dennoch braucht es mehr Mut und Vertrauen in die Jugendlichen. Wie sollen sie Verantwortung lernen, wenn man ihnen keinen Raum gibt, sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln? Ohne diese Möglichkeiten drohen Frustration und politische Entfremdung.
Natürlich müssen solche Prozesse begleitet werden - genau das scheint hier auch von der Gemeinde vorgesehen zu sein. Ein offener Dialog und ein Miteinander wären hilfreicher als eine pauschale Ablehnung. Schließlich brauchen junge Menschen Orte, an denen sie sich ungestört treffen und engagieren können.
Quelle: WN 19.03.2026, S. 15
„Vertrauen ist der Schlüssel“
Mit großem Interesse, aber auch mit deutlicher Irritation habe ich den Bericht über die Anwohnerversammlung zum geplanten Skatepark am Waldspielplatz gelesen. Was dort geschildert wird, ist aus meiner Sicht ein grundlegendes Problem: Es wird über Jugendliche gesprochen - aber nicht mit ihnen. Obwohl sie das Projekt selbst initiiert, ausgearbeitet und politisch auf den Weg gebracht haben, wurden sie in der Diskussion kaum wahrgenommen.
Besonders kritisch sehe ich die pauschalen Zweifel an der Verantwortungsbereitschaft der Jugendlichen. Ihnen wird unterstellt, sie würden für Lärm, Schmutz oder sogar problematische Zustände sorgen - ohne ihnen überhaupt die Chance zu geben, das Gegenteil zu beweisen.
Natürlich sind Sorgen von Anwohnerinnen und Anwohnern ernst zu nehmen. Doch diese Probleme bestehen offenbar bereits jetzt - unabhängig vom geplanten Skatepark. Es erscheint daher wenig sinnvoll, ein Jugendprojekt zu verhindern, anstatt die bestehenden Herausforderungen konstruktiv anzugehen.
Ein Skatepark ist eine große Chance: für Bewegung, für Gemeinschaft und für sinnvolle Freizeitgestaltung. Wer junge Menschen ernst nimmt, muss ihnen auch Räume geben. Vertrauen ist dabei der Schlüssel - nicht Misstrauen.
Quelle: WN 23.03.2026, S. 13
Quellen
- SessionNet Gemeinde Nottuln, Vorlagen: 111/2024 (Grünen-Antrag), 034/2025 (Grundsatzbeschluss), 034/2025/1 (Baubeschluss), 034/2025/2 (Aufhebung Sperrvermerk); ältere Anläufe V00012/2007, 070/2010, 100/2021
- Lärmschutzgutachten Ingenieurbüro Jedrusiak (PDF, 23 S.); Entwurfsplanung; Kostenberechnung
- Niederschriften (SessionNet): 12.03.2025 AUM, 01.04.2025 Rat, 18.06.2025 AUM, 08.07.2025 Rat, 25.03.2026 AUM (Aufhebung Sperrvermerk 8:3:1, TOP 4), 28.04.2026 Rat (Aufhebung Sperrvermerk 25:4:5, TOP 8.2)
- Parteien: CDU, UBG (Rat / Jugend entscheidet) und Wahlprogramm 2025, SPD (keine Stellungnahme gefunden), Grüne (keine dedizierte Stellungnahme), FDP
- Gemeinde: Projektseite „Jugend entscheidet"
- Leserbriefe: Niemann (24.06.2025, 24.02.2026), Schmidt (06.12.2025), Neiteler (19.03.2026), Wewering (23.03.2026)
- WN-Berichte (Ausgabe Baumberge), u.a.: 21.06.2025 „Anlieger befürchten unzumutbare Lärmbelästigung" (luw); 19.02.2026 „Skatepark: Geld gesperrt, Fragen offen" (Viola ter Horst); 09.03.2026 „Skateanlage: Standort stößt auf Kritik" (Viola ter Horst); 18.03.2026 „Aufgeheizte Stimmung bei Treffen auf Waldspielplatz" (Gemeinde-PM); 25.03.2026, S. 15, „Skateanlage soll rund 500.000 Euro kosten" (Viola ter Horst; Kostentrennung, Spielgeräte bleiben erhalten); 27.03.2026 „Ja zum Skatepark - Streit um Standort"; 05.05.2026 „Rat macht Weg frei für Skateanlage"
- Vergleichsfall Senden: senden-westfalen.de/mensa-1, LEADER-Region Kleeblatt, WN 04.11.2025; WN 20.07.2026, S. 17 („Skatepark ist ‚perfekt' geworden" / „Keine Beschwerden")
- Planungsbüro DSGN CONCEPTS; Hertie-Stiftung „Jugend entscheidet"; LEADER-Region Baumberge